Wenn Akten lebendig werden

Für Jennifer Knaack war nach dem Abitur klar: „Ich will in die Justiz.“ Seit fünf Jahren ist sie als Justizfachangestellte im Amtsgericht Berlin-Mitte tätig.  

Wenn in Berlin ein Verkehrsunfall passiert und sich die Beteiligten in der Schuldfrage nicht einig sind, landet der Fall als erstes auf Jennifer Knaacks Tisch. „Ich kümmere mich um quasi alle Verkehrsunfälle Berlins“, erzählt die 29-jährige Justizfachangestellte. Sie ist es, die nach dem ersten Anwaltsschreiben des Klägers für den Fall ein Aktenzeichen vergibt und ihn als so genannte neue Sache anlegt. Von da an begleitet sie den Fall bis zu seiner Erledigung.

Dabei kann ein Verfahren mehrere Wege einschlagen: „Die Richterin bzw. der Richter entscheidet, ob es zur Verhandlung kommt oder ob eventuelle Zeugenaussagen oder Sachverständigengutachten zunächst schriftlich eingeholt werden sollen“, erklärt Jennifer Knaack. 

Als Justizfachangestellte kümmert sie sich um sämtlichen Schriftverkehr zum Verfahren. „Ich bin so ein bisschen wie die Sekretärin des Richters“, beschreibt sie ihren Beruf und ergänzt schnell: „Ohne das abwertend zu meinen.“ Denn wer Justizfachangestellte oder Justizfachangestellter werden will, hat einen verantwortungsvollen Job. Man sollte strukturiert arbeiten können und Organisationstalent mitbringen. Es müssen Fristen eingehalten und Kosten berechnet werden. Zudem müssen die Parteien gleichermaßen über den Stand des Verfahrens unterrichtet werden.



Die Justizfachangestellte ist neben den Verkehrssachen auch für Zivilprozesssachen zuständig und kümmert sich um Streitigkeiten zwischen Bürgerinnen und Bürgern bzw. Gesellschaften, beispielsweise, wenn Rechnungen nicht bezahlt wurden. Das seien so viele Fälle im Jahr, sie könne sie gar nicht genau beziffern, sagt Jennifer Knaack.

Ansprechpartnerin für alle Bürgerinnen- und Bürgeranfragen

Jennifer Knaack ist eine Frühaufsteherin, bereits um 6 Uhr sitzt sie am Schreibtisch. Am Amtsgericht Berlin-Mitte gibt es flexible Arbeitszeiten, für Jennifer Knaack ist das ideal: „So habe ich noch was vom Tag.“ Nur zwischen 9 und 13 Uhr muss sie aufgrund der Kernarbeitszeit anwesend sein. Denn da ist sie Ansprechpartnerin für alle Bürgerinnen- und Bürgeranfragen. Anwältinnen und Anwälte kommen vorbei, um Stellungnahmen abzugeben, Klägerinnen und Kläger rufen an, wenn sie Verständnisfragen zu einem Schreiben haben. Jennifer Knaack gibt Auskunft über die Möglichkeiten der Rechtsmittel oder zum Verfahrensstand. „Allerdings darf und kann ich keine Rechtsberatung vornehmen“, stellt sie klar. 

Dass sie anderen Menschen helfen könne und jeden Tag mit neuen Fällen konfrontiert sei, die mit dem Leben, mit dem Alltag zu tun haben, das schätzt Jennifer Knaack an ihrem Beruf. Wenn sie in den Verhandlungen Protokoll führt, wird es für sie besonders spannend: „Dann wird der Fall lebendig.“ 

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